Deutscher Rotwein – eine positive Entwicklung

Vieles ist geschrieben worden über den deutschen Wein an sich. Die geographischen Gegebenheiten hierzulande ermöglichten nur bedingt und abschnittsweise den Anbau von Wein im internationalen Kontext. Doch deutscher Wein ist wieder in aller Munde und dies hat erst einmal nichts mit dem allgegenwärtigen Riesling zu tun. Zu aufregend ist die Entwicklung, die in den letzten Jahren stattgefunden hat. Wenn über deutschen Rotwein gesprochen wird, dann wird heute nicht mehr nur der Spätburgunder oder der Dornfelder erwähnt. Auch der Merlot, blaue Portugieser, der Trollinger, Regent oder Lemberger sind hierbei zu nennen.

Ausgangspunkt für diese Entwicklung ist zum einen der Klimawandel, der heimischem Wein ganz andere Perspektiven und Möglichkeiten offenbart. Zum anderen sind es die Winzer selbst, die sich quasi von Innen heraus selbst erneuern. Verbessernde Gegebenheiten, eine optimale Ausbildung und der Wille etwas zu verändern bewirkt so viel. Natürlich gilt es dabei Alt Bewährtes weiterhin zu pflegen, zumindest nicht vorne hinweg gleich auszuschließen.

Was sind die Schwerpunkte deutschen Rotweins

Es gibt in der EU sieben Weinbauzonen, die nach klimatischen Kriterien hin eingeteilt wurden. Von den 13 deutschen Weinanbaugebieten befinden sich 12 davon in der Weinbauzone A, derjenigen Klasse mit den niedrigsten durchschnittlichen Temperaturen (zusammen mit Luxemburg). Einzig das Gebiet Baden ist in der Weinbauzone B ansässig, in dem auch einige französische Gebiete inkludiert sind. In den einzelnen Zonen herrschen unterschiedliche Regelungen bezogen auf das Mostgewicht oder des Säuern des Weines.

Nach Angabe des statistischen Bundesamtes (Destatis) werden 2020 ca. 8,9 Mill. Hektoliter Wein in Deutschland produziert, was einer Steigerung der Gesamternte um 6,4% zum Vorjahr entspricht. Zwei der deutschen Weinanbaugebiete, Württemberg und die Ahr, haben ihren klaren Produktionsschwerpunkt auf den roten Rebsorten. Hier dominiert weiterhin der Spätburgunder mit Abstand vor dem Dornfelder, dem blauen Portugieser, Trollinger, Schwarzriesling, St. Laurent, Merlot, Acolon, der Domina und dem Cabernet Sauvignon   

Zum Anbau – Grundlagen und Wissenswertes

Zur Herstellung von Rotwein können ausschließlich Trauben verwendet werden, die eine tiefrote bis dunkelblaue Schale aufweisen. Dies hat ein breites Farbspektrum des Weines zur Folge, welches von hellem Rot bis zu fast Schwarz reichen kann. Die Gärung erfolgt im Gegensatz zum Weißwein bei höheren Temperaturen, die bis zu 32° reichen können. Blaue Rebsorten bedürfen zur vollen Entwicklung mehr Wärme als die weißen Varianten. Samtigkeit und Milde sind Kennzeichen guter Rotweine.

Rotweine werden aus der Maische gewonnen. Dazu werden die Trauben zuerst entrappt, somit stiellos gemacht und danach leicht angequetscht. Das Gemisch beginnt im Anschluss daran in Edelstahlbehältern zu gären. Dabei entstehender Alkohol holt die Farbstoffe aus den Schalen heraus. Tannine sitzen in den Stielen und Kernen der Trauben. So wird die Ausgewogenheit und Struktur des Weines sicher gestellt. Je mehr Tannine im Wein enthalten sind, desto länger sollte die Reifedauer erfolgen, damit die Gerbstoffe das bittere Aroma verlieren.

Kombination Rotwein mit verschiedenen Speisen

Was das Kombinieren von Speisen mit Rotwein betrifft, so darf dieser durchaus als Tausendsassa bezeichnet werden. Rotwein passt nicht nur ausgezeichnet zu schwerem Essen, sondern verleiht vielen Gerichten erst die richtige Note. Rotwein harmoniert gut mit Fisch, wenn ein leichter Wein mit niedrigem Tannine-Wert verwendet wird.

Auch mit Süßem ist das Zusammenspiel ein Genuss, sei es in purer Form oder beispielsweise in einem Kuchen verbacken. Insbesondere dunkle Schokoladensorten harmonieren mit schwerem Rotwein bestens. Genauso wie kräftiger Käse.

Eine Faustregel lautet: je mehr Restzucker der Wein enthält, desto kühler sollte dieser genossen werden. Bei Rotweinen gilt dies jedoch nur bedingt. Rotwein wird wärmer getrunken als der Weißwein oder Secco. Als Orientierung kann hier die Zimmertemperatur hinzugezogen werden oder ein Wert leicht darunter. Grundsätzlich lässt sich Rotwein in Schweregrade einteilen, die wie folgt lauten:

  • Leichte Rotweine (Brotzeiten, Snacks, Hausmannskost, Salate etc.)
  • Mittelschwere bis kräftige Rotweine (kräftige Suppen, Fleischgerichte, mediterrane Speisen)
  • Schwere Rotweine (Wild, Fleischgerichte, Lasagne, Meeresfrüchte etc.)

Innerhalb der jeweiligen Klasse hat jeder einzelne Wein natürlich noch einmal ganz eigene, ausgeprägte Geschmacksnoten. Aber das Grundprinzip ist klar.

Die Zukunft des Rotweins in Deutschland

Der deutsche Riesling ist immer noch der Exportschlager im deutschen Weinsektor. Nahezu die Hälfte des weltweit getrunkenen Rieslings kommt aus deutschen Landen. International werden wir als Riesling-Land angesehen, was in den letzten Jahren jedoch merklich ins Schwanken geriet. Deutscher Rotwein setzt daran an, dem Weißwein mittelfristig die Beine zu stellen. Im Weinanbaugebiet Ahr beispielsweise fallen 85% der Rebfläche bereits auf rote Weintrauben. Zugegebenen, die Ahr ist auch eins der kleinsten, der deutschen Weingebiete doch der Trend ist zu erkennen.

Die Nachfrage nach Rotwein ist in Deutschland gegeben, der Klimawandel macht es möglich, dass alte Gegebenenheiten und Begrenzungen mittlerweile hinterfragt werden können. Eine Schar an innovativen jungen Winzern, die bestmöglich ausgebildet sind, wird die notwendige Kreativität einsetzen um mit den neuen Karten neu auftrumpfen zu können. Gehen wir es an!