Biowein - Vergangenheit und Gegenwart - eine Entwicklung

Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst für Bio-Lebensmittel und alternative Möglichkeiten der Ernährung. Diese Entwicklung hat auch vor der Weinwelt nicht Halt gemacht. Ungefähr 8% der gesamten Weinproduktion in Deutschland ist aktuell Reben gewidmet, die ökologisch bewirtschaftet werden. Der zum Teil schlechte Ruf des Bioweins in der Vergangenheit wurde längst abgestreift. Es weht ein neuer Wind, dessen Segel klar auf Erfolg hin gesetzt sind und die ein Umdenken im großen Stil und auf breiter Front bewirken können. Bevor sich jedoch ein Weinberg und der dazugehörige Winzer als Biowein-Winzer bezeichnen darf, muss erst einmal eine dreijährige Umstellungsphase des Bodens mit bedacht werden. Dies macht definitiv Sinn, da Ablagerungen, beispielsweise von intensiver Düngung erst einmal wieder aus dem Boden herausgewaschen werden müssen. Das benötigt Zeit.

Wer in Deutschland Biowein verkaufen will, der muss zudem das EU-Biosiegel mit der Codierung der jeweiligen Prüfgesellschaft verwenden. So werden Bioweine bereits seit geraumer Zeit in Fachbeiträgen und Weinführern von den Experten nicht nur erwähnt, sondern explizit empfohlen. Die Zeiten, in denen Bioweine ausschließlich von Ökos getrunken wurden sind längst passé. Mittlerweile sind nicht nur den Profis die Vorzüge, wie die hohe Qualität der Reben und die naturnahe Vorgehensweise, in der breiten Öffentlichkeit angekommen. 

Durch was wird deutscher Biowein gekennzeichnet?

Es erscheint klar, dass sich Biowein von herkömmlichem Wein durch den Verzicht auf diverse Hilfs- oder Betriebsmittel auszeichnet, wie beispielsweise gentechnisch beeinflusste Hefe oder Enzyme. Im Gegensatz dazu wird viel mit naturnahen Mitteln gearbeitet, die unter anderem Eiweiße stark mit einbeziehen. Zudem ist der Sulfit-Anteil bei Bioweinen deutlich reduziert. Sulfite wirken antimikrobiell und sollen das Nachgären des Weines abbremsen oder ganz verhindern. So müssen Bioweinbauern ihr Handwerk genau verstehen um einen guten Wein herzustellen.

Spürbare Auswirkungen hat der Bioweinbau natürlich auch auf den Weinberg an sich. Offensichtlich werden Bioweinberge durch ihre üppige Vegetation charakterisiert, welche der üblichen Monokultur des normalen Weinbaus konträr gegenübersteht. Dies hat nicht nur den Vorteil, das dem Abrutschen der Hänge entgegengearbeitet wird. Darüber hinaus ist ein Auswaschen des Bodens eher unwahrscheinlich.

Das Ökosystem wird beim Bioweinanbau weitestgehend geschützt, was zuletzt nicht nur auf die Kraft und auch die Qualität der Reben positiven Einfluss hat. Auch tendieren Bio-Reben viel mehr dazu tiefere Wurzeln zu entwickeln, da diese Nährstoffe tiefer im Boden holen müssen. Dies hat einen positiven Einfluss bei Hitze und längerer Dürre.

Last but not least ist noch auf den Verzicht von chemischen Pflanzen- und Parasitenvernichtungsmittel einzugehen. Es werden im Gegensatz zum herkömmlichen Weinbau ausschließlich organische Zusätze, wie Kompost, Mist oder Leguminosen verwendet, die einen positiven Effekt auf die Natur und alles drum herum haben. Ausnahmen bestehen beim echten und falschen Mehltau. Das sind Pilze, welche an den Blättern der Wirtspflanze hängen und diese erheblich schädigen. Bevor die ganze Ernte des Jahrgangs vernichtet wird, darf auch ein Öko-Winzer beispielsweise Kupfer spritzen, jedoch in deutlich geringerem Ausmaß als bei herkömmlichen Wein. 

Schmeckt man den Unterschied?

Wenn der Winzer sein Handwerk beherrscht, dann ist auf jeden Fall ein positiver Zugewinn am Geschmack zu erkennen. Doch natürlich sind eine Vielzahl von Faktoren entscheidend. Grundsätzlich weisen Reben von ökologisch wachsenden Weinstöcken eine dickere Schale auf und verfügen normal über mehr Aromastoffe als herkömmliche Reben. Somit sind die Grundvoraussetzungen besser. Diese müssen nur dem Vorteil entsprechend ausgeschöpft werden.

Bio-Reben werden gewöhnlich handgelesen, was nicht nur als die klassische Methode bezeichnet wird, sondern auch enorme Nützlichkeit aufweist. Die genaue Selektion der Reben ist so möglich, wodurch ausschließlich komplett gereifte Trauben geerntet und die Nachzügler in einem weiteren Lauf später eingesammelt werden. Dies hat direkten Einfluss auf die Qualität des Weines. 

Biowein - Entwicklung des Marktanteils

Weltweit ist grundsätzlich ein allgemeiner Rückgang im Weingenuss zu verzeichnen, analog zum Bierkonsum, was jedoch nicht auf das Segment des Bioweines übertragbar ist, da hier deutliche Steigerungen Jahr für Jahr erzielt werden. Angeregt von der Verbraucher-Resonanz nach umweltverträglicheren Lebensmitteln werden stetig neue Bestmarken erzielt. So hat sich die Biowein-Rebfläche in Deutschland von knapp 4.700 Hektar (2009) auf ungefähr 9.600 Hektar (2019) vergrößert und angepasst, um der Nachfrage der Konsumenten gerecht zu werden. Die deutschen sind Weltmeister im Verbrauch von Bioweinen. Nahezu ein Viertel der weltweiten Bio-Weine werden in Deutschland konsumiert. Die großen Weinländer Spanien, Frankreich und Italien haben den Trend jedoch erkannt und folgen mittlerweile unnachgiebig.

Prognose über die Entwicklung des Bioweins in Deutschland

Der Druck auf die Preise von Bioweinen wird steigen, da die Deutschen normalerweise sehr preisbedacht handeln und viel im Discounter einkaufen. Der Durchschnittspreis von Biowein übersteigt die durchschnittlichen Preise der herkömmlichen Weine. Zwar ist jedem klar, dass Bioprodukte teurer als Vergleichswaren sind, doch eine Anpassung wird kommen. Die vermehrte Produktion, somit das erhöhte Angebot, insbesondere auch aus dem Ausland, wird unweigerlich dazu führen. Grundsätzlich trinken die Deutschen am liebsten Wein aus heimischer Produktion, was bei der Qualität der Weine auch verständlich ist. Das steigende Bewusstsein und das Bekenntnis der Konsumenten zu einem ökologischeren Lebensstil wird den Bioweinen in Deutschland weiter Auftrieb geben. So sind der Erfolgsgeschichte Biowein momentan kaum Grenzen gesetzt.